Anziehend
"Was ist es, das dich an einem Mann reizt?" wollte Paul spontan von mir wissen. Ich war auf die Frage nicht vorbereitet und wusste im ersten Moment nicht, was ich darauf antworten sollte.
"Du hast mir erzählt," gab er nicht auf, "dass dich sein Aussehen nicht primär interessiert. Was ist es dann?"
Schweigen.
"Gut, dann erinnere dich an die letzten Männer zurück, die dich interessierten - oder vielleicht noch interessieren. Was reizt dich an ihnen?"
Ich überlege. Mir fallen keine Männer in der Vergangenheit ein, es ist einfach zu lange her. Dafür fällt mir einer ein, an dem ich tatsächlich gegenwärtiges Interesse hätte.
"Mein Steuerberater," sage ich, und jetzt schweigt Paul erstmal eine Weile. Verdattert, wie ich vermute. Er fängt sich aber rasch.
"Gut... äh.... und was hat der, das andere nicht haben?"
Gute Frage. Ich überlege wieder.
"Nun ja, er hat einen trockenen, manchmal sogar recht frechen Humor. Ich vergesse nie, dass er mich bei unserem ersten Termin mal die Sozialversicherungstante nannte, weil ich ihn zu Fragen meiner SV konsultiert hatte."
Pauls Interesse steigt, er fordert mich mit Blicken auf, weiter zu erzählen.
"Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass er, ehe er Steuerberater wurde, buddhistische Philosophie studiert hat."
Ich weiß, was Paul jetzt gleich fragen wird, dem komme ich zuvor.
"Nein, ich habe ihn noch nicht gefragt, ob er mit mir ausgehen will. Und weil du jetzt gleich nach dem Warum fragen wirst: Zum einen, weil er mein Steuerberater ist und demzufolge weiß, wie es mit meiner finanziellen Lage bestellt ist. Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube, er ist ein bisschen paranoid, was Frauen betrifft, er meint, die wollten ihn nur des Geldes wegen. Vielleicht unterstelle ich ihm da ja etwas, aber... naja, ist halt so mein Eindruck. Außerdem..."
Ich muss kurz nachdenken, weil mir der zweite Grund jetzt erst so richtig bewusst wird.
"... außerdem hat er auch so etwas an sich, so eine gewisse Blasiertheit.... die ich vielleicht auch falsch interpretiere, aber das ist halt auch mein Eindruck, die geht mir jedes Mal schrecklich auf die Nerven. Und auch sein Humor ist nur dann gut, wenn er selbst einen Witz macht - entgegennehmen kann er hingegen kaum etwas. Und dann habe ich jedes Mal, wenn ich bei ihm bin, den Eindruck, dass er trotz seines philosophischen Studiums ein ziemlicher Flachdenker ist."
"Was," wirft Paul ein, "in aller Welt findest du an dem Kerl dann anziehend?"
"Das sind immer nur die Eindrücke, die ich habe, wenn ich bei ihm bin. Sobald ich die Kanzlei verlassen habe, überdenke ich das ganze noch einmal, und dann relativiere ich die negativen Eindrücke meist. Aber dann ist es zu spät ihn zu fragen, ob er mal Zeit für ein Gespräch hätte. Dazu müsste ich zurück in seine Kanzlei, aber sobald er erneut vor mir steht, wird er mir gleich wieder unsympathisch!"
Ich seufze.
"Um also deine Frage zu beantworten, mein lieber Paul: An einem Mann reizt mich allem Anschein nach am meisten, wenn er nicht in Reichweite ist."
"Du hast mir erzählt," gab er nicht auf, "dass dich sein Aussehen nicht primär interessiert. Was ist es dann?"
Schweigen.
"Gut, dann erinnere dich an die letzten Männer zurück, die dich interessierten - oder vielleicht noch interessieren. Was reizt dich an ihnen?"
Ich überlege. Mir fallen keine Männer in der Vergangenheit ein, es ist einfach zu lange her. Dafür fällt mir einer ein, an dem ich tatsächlich gegenwärtiges Interesse hätte.
"Mein Steuerberater," sage ich, und jetzt schweigt Paul erstmal eine Weile. Verdattert, wie ich vermute. Er fängt sich aber rasch.
"Gut... äh.... und was hat der, das andere nicht haben?"
Gute Frage. Ich überlege wieder.
"Nun ja, er hat einen trockenen, manchmal sogar recht frechen Humor. Ich vergesse nie, dass er mich bei unserem ersten Termin mal die Sozialversicherungstante nannte, weil ich ihn zu Fragen meiner SV konsultiert hatte."
Pauls Interesse steigt, er fordert mich mit Blicken auf, weiter zu erzählen.
"Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass er, ehe er Steuerberater wurde, buddhistische Philosophie studiert hat."
Ich weiß, was Paul jetzt gleich fragen wird, dem komme ich zuvor.
"Nein, ich habe ihn noch nicht gefragt, ob er mit mir ausgehen will. Und weil du jetzt gleich nach dem Warum fragen wirst: Zum einen, weil er mein Steuerberater ist und demzufolge weiß, wie es mit meiner finanziellen Lage bestellt ist. Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube, er ist ein bisschen paranoid, was Frauen betrifft, er meint, die wollten ihn nur des Geldes wegen. Vielleicht unterstelle ich ihm da ja etwas, aber... naja, ist halt so mein Eindruck. Außerdem..."
Ich muss kurz nachdenken, weil mir der zweite Grund jetzt erst so richtig bewusst wird.
"... außerdem hat er auch so etwas an sich, so eine gewisse Blasiertheit.... die ich vielleicht auch falsch interpretiere, aber das ist halt auch mein Eindruck, die geht mir jedes Mal schrecklich auf die Nerven. Und auch sein Humor ist nur dann gut, wenn er selbst einen Witz macht - entgegennehmen kann er hingegen kaum etwas. Und dann habe ich jedes Mal, wenn ich bei ihm bin, den Eindruck, dass er trotz seines philosophischen Studiums ein ziemlicher Flachdenker ist."
"Was," wirft Paul ein, "in aller Welt findest du an dem Kerl dann anziehend?"
"Das sind immer nur die Eindrücke, die ich habe, wenn ich bei ihm bin. Sobald ich die Kanzlei verlassen habe, überdenke ich das ganze noch einmal, und dann relativiere ich die negativen Eindrücke meist. Aber dann ist es zu spät ihn zu fragen, ob er mal Zeit für ein Gespräch hätte. Dazu müsste ich zurück in seine Kanzlei, aber sobald er erneut vor mir steht, wird er mir gleich wieder unsympathisch!"
Ich seufze.
"Um also deine Frage zu beantworten, mein lieber Paul: An einem Mann reizt mich allem Anschein nach am meisten, wenn er nicht in Reichweite ist."
menschenleer - 24. Apr, 21:35
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