Studium I
Es ist ein Kreuz mit der Zeit. Oder vielleicht ist es auch ein Kreuz mit der menschlichen-enleeren (sprich: meiner) verdrehten Annahme, ein Studium plus Berufstätigkeit würde in mehr Freizeit resultieren. So konkret habe ich das zwar nicht angenommen, aber irgendwie war da schon die Vorstellung, ich würde täglich mit einem ganzen Arm voll Anekdötchen heimkehren und die dann genüsslich hier festhalten.
Hat sich was. Weder gibt es Anekdötchen, noch hätte ich die Muße, diese abzutippen. Ein paar Skizzen schulde ich Frau twoblogs noch, aber die sind auch eher unspektakulär. Die Zeit, mich stundenlang in Kaffeehäusern mit der Beobachtung vonMutanten Mitmenschen zu beschäftigen, fehlt mir ebenso, wie die Skizzen dann auch noch einzuscannen.
Vielmehr machte ich im Zuge meines Studienzweitversuchs die Erfahrung, dass sich seit meinem Erstversuch nichts geändert hat. Erschreckenderweise absolut GAR nichts. Außer vielleicht, dass man in Bibliotheken jetzt bequem via Online-Datenbank anstelle von mühsamen Zettelkatalogen suchen kann. Korrigiere: könnte. Das kann man nur, wenn man das Richtige studiert, was ich logischerweise nicht tue. Dort, wo ich mir Weisheit zu finden erhoffe, wühlt man nach wie vor in zerschlissenen Karteikartenordnern, die genau so unvollständig sind wie die zugehörigen Bibliotheksbestände. Intelligenterweise sind diese nämlich ungesichert, und so kann dort jeder nach Lust und Laune klauen, wie ihm gerade der Sinn steht. Dass dies auch getan wird, liegt auf der Hand, und ergo gleichen sich unvollständige Zettelkataloge einerseits und lückenhafte Buchbestände andererseits in stiller Eintracht aus. Auch eine Form der Harmonie.
Einige der Bibliotheken sind dennoch überraschend übersichtlich geordnet, man findet nahezu jedes Buch - sofern nicht entwendet - anhand der Signatur binnen Sekunden. Anders in einer speziellen Fachbibliothek, die zusätzlich zu Lücken im Verzeichnis und Bestand auch ein faszinierendes Paradebeispiel der Entropie darstellt. Die Logik, nach der dieses System aufgebaut ist, muss nach einem ähnlichen Prinzip wie die Quantenmechanik funktionieren. Oder die der verschränkten Teilchen. Schrödingers Katze hat sich in dieser Bibliothek vermaterialisiert, ich glaube, so richtig verstehen tut das System dort keiner, und ich habe den dumpfen Verdacht, dass man seine Doktorwürden nicht aufgrund wissenschaftlicher Leistung erhält, sondern weil man es irgendwie geschafft hat, ein ganz besonders schwierig zu findendes Buch aus den Tiefen dieser Quantenbibliothek rauszukramen.
Das Alter der Bücher variiert. Anders als bei sogenannten 'sinnvollen' Studien, welche sich notgedrungen immer am neuesten Wissensstand befinden müssen, ist mein Studium eins, wo etwa ein Drittel der empfohlenen Sekundärliteratur noch aus dem 19. Jahrhundert stammt (und auch die Bücher sind meist noch aus dieser Zeit, Neuauflagen gibt es kaum). Die Primärliteratur, so überhaupt vorhanden, ist noch ein paar Jahrtausende älter. Womit ich jetzt endlich den Schleier lüfte: es ist ein Geschichtsstudium. Und zwar ein solches, welches mir, sollte je der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ich es abschließe, mich dazu berechtigt, mir einen Lederhut und eine Peitsche zuzulegen und mich dann actionreich durch sämtliche Grabungsstätten dieser Erde zu schwingen.
Hat sich was. Weder gibt es Anekdötchen, noch hätte ich die Muße, diese abzutippen. Ein paar Skizzen schulde ich Frau twoblogs noch, aber die sind auch eher unspektakulär. Die Zeit, mich stundenlang in Kaffeehäusern mit der Beobachtung von
Vielmehr machte ich im Zuge meines Studienzweitversuchs die Erfahrung, dass sich seit meinem Erstversuch nichts geändert hat. Erschreckenderweise absolut GAR nichts. Außer vielleicht, dass man in Bibliotheken jetzt bequem via Online-Datenbank anstelle von mühsamen Zettelkatalogen suchen kann. Korrigiere: könnte. Das kann man nur, wenn man das Richtige studiert, was ich logischerweise nicht tue. Dort, wo ich mir Weisheit zu finden erhoffe, wühlt man nach wie vor in zerschlissenen Karteikartenordnern, die genau so unvollständig sind wie die zugehörigen Bibliotheksbestände. Intelligenterweise sind diese nämlich ungesichert, und so kann dort jeder nach Lust und Laune klauen, wie ihm gerade der Sinn steht. Dass dies auch getan wird, liegt auf der Hand, und ergo gleichen sich unvollständige Zettelkataloge einerseits und lückenhafte Buchbestände andererseits in stiller Eintracht aus. Auch eine Form der Harmonie.
Einige der Bibliotheken sind dennoch überraschend übersichtlich geordnet, man findet nahezu jedes Buch - sofern nicht entwendet - anhand der Signatur binnen Sekunden. Anders in einer speziellen Fachbibliothek, die zusätzlich zu Lücken im Verzeichnis und Bestand auch ein faszinierendes Paradebeispiel der Entropie darstellt. Die Logik, nach der dieses System aufgebaut ist, muss nach einem ähnlichen Prinzip wie die Quantenmechanik funktionieren. Oder die der verschränkten Teilchen. Schrödingers Katze hat sich in dieser Bibliothek vermaterialisiert, ich glaube, so richtig verstehen tut das System dort keiner, und ich habe den dumpfen Verdacht, dass man seine Doktorwürden nicht aufgrund wissenschaftlicher Leistung erhält, sondern weil man es irgendwie geschafft hat, ein ganz besonders schwierig zu findendes Buch aus den Tiefen dieser Quantenbibliothek rauszukramen.
Das Alter der Bücher variiert. Anders als bei sogenannten 'sinnvollen' Studien, welche sich notgedrungen immer am neuesten Wissensstand befinden müssen, ist mein Studium eins, wo etwa ein Drittel der empfohlenen Sekundärliteratur noch aus dem 19. Jahrhundert stammt (und auch die Bücher sind meist noch aus dieser Zeit, Neuauflagen gibt es kaum). Die Primärliteratur, so überhaupt vorhanden, ist noch ein paar Jahrtausende älter. Womit ich jetzt endlich den Schleier lüfte: es ist ein Geschichtsstudium. Und zwar ein solches, welches mir, sollte je der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ich es abschließe, mich dazu berechtigt, mir einen Lederhut und eine Peitsche zuzulegen und mich dann actionreich durch sämtliche Grabungsstätten dieser Erde zu schwingen.
menschenleer - 12. Mai, 23:46
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