Die Essenz des Reizvollen
Dank einer kleinen Diskussion in Herrn Bandinis Blog habe ich jetzt wieder mal ein bisschen externe Einsicht in mich bekommen. Dass ich prinzipiell eher negativ rüberkomme, war mir nicht neu. Meine Tendenz, alles in Frage zu stellen und dabei mitunter auch in Ironie und Sarkasmus zu verfallen (ist bei obiger Diskussion nicht geschehen, was für meine Verhältnisse aber fast schon einen Ausnahmezustand darstellt), wird von meiner Umwelt generell als ein Zeichen der Oppositionshaltung zu allem und jedem angesehen.
Das stimmt so nicht. Ich will nur alles und jedes möglichst dreidimensional betrachten. Wenn man mir aber etwas wirklich vorwerfen kann und muss, dann den Umstand, dass ich diese meine Intention wohl schlecht kommuniziere. Dass das der Fall ist, zeigt allein der Umstand, dass ich nun schon seit über einer Stunde an diesem Beitrag rumschreibe, mittlerweile bin ich glaube ich bei Version 3.0.
Damit sind wir aber auch schon zu dem Kern eines ganz anderen Problems vorgestoßen, eben jenem, um welches es in der obig genannten Diskussion ging. Dinge, die gemeinhin als erstrebenswert erachtet werden, reizen mich nicht. Warum? Warum betreibe ich keinen Sex um des Sexes Willen? Warum gehe ich nicht gerne einkaufen? Warum lese ich keine Bücher "einfach mal so", sondern nur, wenn dem ganzen ein Thema übergeordnet wird?
Ich denke mal, es begann alles vor 10 Jahren, als ich - aus Gründen, die hier zu weit führten - völlig aus der Bahn geworfen wurde und danach ein neues Leben begann. Damals habe ich den Bezug zu vielen Dingen verloren, die vorher wichtig schienen. De facto habe ich zu fast allen Dingen den Bezug verloren, in dem Sinne, dass ich sie als essentiell oder lebensnotwendig empfände. Ich habe das Klammern verlernt, sowohl das Klammern an Besitz als auch an Beziehungen. Ich habe ohne es wirklich angestrebt zu haben den Ehrgeiz und die Gier verloren. Eingetauscht gegen ein Stück innere Freiheit, die mich gleichzeitig von meiner Umwelt trennte.
Ich will nicht mehr haben. Ich will mich stattdessen bewegen. Das ist mein Antrieb. Mich weiterbewegen, entwickeln, lernen, wachsen.
Damit meine ich nicht praktisches Wissen, das ich anzuhäufen suche, nein, das ist irrelevant. Ich meine seelisches Wachstum, verstehendes Lernen, begreifendes Sehen. Ich will erfassen, und zwar alles, ständig und ohne Unterbrechung. Nicht bewusst, aber wenn ich so in mich hineinschaue, dann muss ich erkennen, dass dies der einzige Antrieb ist, den ich überhaupt noch besitze. Alles andere ist dahin.
Die Fähigkeit, mich irgendwelcher Triebbefriedigung hinzugeben, ist mir zwar nicht abhanden gekommen, jedoch ist auch diese meinem übergeordneten Thema des Wachsen-wollens unterworfen. Mein Studium, das ich eben wieder begonnen habe, hat ganz ehrlich gesagt wenig Chancen, jemals abgeschlossen zu werden. Ich betreibe es nicht, um möglichst viel Wissen über irgendwelche längst verstaubten Kulturen anzusammeln, sondern weil mich - noch - die Herangehensweise dieser Disziplin an ihre Thematik im Kern interessiert. Nicht die Techniken, nicht die Methoden. Sondern die Art und Weise, wie man als Archäologe sieht, zu begreifen sucht und beurteilt. Kurz und gut: die Denkweise des Geschichtsforschers. Ich habe mir auch schon wirtschaftliche sowie naturwissenschaftliche Bereiche angesehen und sie so lange ausgekostet, bis ich gemerkt habe, dass ich innerlich nicht mehr daran wachsen kann, sondern dass sie mich einzuengen beginnen. Dann bin ich geflohen.
Vielleicht voreilig. Vielleicht hätte ich ja nur eine gewisse Durststrecke zu überwinden gehabt, um dann neue Wachstumsmöglichkeiten zu finden. Aber dazu hätte es des Ehrgeizes bedurft, und den habe ich nicht mehr. Dazu müsste ich den Dingen höheren Sinn und Wichtigkeit verleihen, und das geht nicht, weil es dem widerspricht, was ich im Zuge meines Lebensumbruches erkannt habe. Denn es geht mir ja nicht um die Thematik oder die Disziplin als solche, sondern um das Erlernen einer anderen Sichtweise. Jede Perspektive hat indes auch ihre Schwachstellen und blinden Flecke, und wenn ich dort angelangt bin, weiß ich, dass ich den Standort wechseln muss, um die Dinge zu sehen, für die mein aktuelles Fachgebiet keine Wahrnehmung hat.
Wie auch immer, das ist es, was mir - ich nenne es jetzt mal wertungsfrei, auch wenn es nicht so klingen mag - einseitige Triebbefriedigung unmöglich macht. Dinge, an denen ich nicht wachsen, von denen ich nichts lernen kann, kann ich nicht begehren. Eine zwischenmenschliche Beziehung muss mir daher mehr bieten, als sich mit Händen fassen lässt. Ich kann soziale Kontakte sehr wohl genießen, aber nur, wenn ich dabei so tief eindringen kann, dass es eventuell weh tut, auch mir selbst. Endosektion zu betreiben, in den Kopf und den Bauch des Anderen hineinzukriechen und ihn bis in die dunkelsten Winkel zu durchleuchten und mich dabei im Spiegel zu betrachten. Das ist es, was mich reizt, wo ich mir gegenseitige Anziehung überhaupt noch vorstellen kann. Die Stimulation der Geschlechtsorgane ist dabei nicht ausgeschlossen, aber nicht die Essenz des Reizvollen.
Das stimmt so nicht. Ich will nur alles und jedes möglichst dreidimensional betrachten. Wenn man mir aber etwas wirklich vorwerfen kann und muss, dann den Umstand, dass ich diese meine Intention wohl schlecht kommuniziere. Dass das der Fall ist, zeigt allein der Umstand, dass ich nun schon seit über einer Stunde an diesem Beitrag rumschreibe, mittlerweile bin ich glaube ich bei Version 3.0.
Damit sind wir aber auch schon zu dem Kern eines ganz anderen Problems vorgestoßen, eben jenem, um welches es in der obig genannten Diskussion ging. Dinge, die gemeinhin als erstrebenswert erachtet werden, reizen mich nicht. Warum? Warum betreibe ich keinen Sex um des Sexes Willen? Warum gehe ich nicht gerne einkaufen? Warum lese ich keine Bücher "einfach mal so", sondern nur, wenn dem ganzen ein Thema übergeordnet wird?
Ich denke mal, es begann alles vor 10 Jahren, als ich - aus Gründen, die hier zu weit führten - völlig aus der Bahn geworfen wurde und danach ein neues Leben begann. Damals habe ich den Bezug zu vielen Dingen verloren, die vorher wichtig schienen. De facto habe ich zu fast allen Dingen den Bezug verloren, in dem Sinne, dass ich sie als essentiell oder lebensnotwendig empfände. Ich habe das Klammern verlernt, sowohl das Klammern an Besitz als auch an Beziehungen. Ich habe ohne es wirklich angestrebt zu haben den Ehrgeiz und die Gier verloren. Eingetauscht gegen ein Stück innere Freiheit, die mich gleichzeitig von meiner Umwelt trennte.
Ich will nicht mehr haben. Ich will mich stattdessen bewegen. Das ist mein Antrieb. Mich weiterbewegen, entwickeln, lernen, wachsen.
Damit meine ich nicht praktisches Wissen, das ich anzuhäufen suche, nein, das ist irrelevant. Ich meine seelisches Wachstum, verstehendes Lernen, begreifendes Sehen. Ich will erfassen, und zwar alles, ständig und ohne Unterbrechung. Nicht bewusst, aber wenn ich so in mich hineinschaue, dann muss ich erkennen, dass dies der einzige Antrieb ist, den ich überhaupt noch besitze. Alles andere ist dahin.
Die Fähigkeit, mich irgendwelcher Triebbefriedigung hinzugeben, ist mir zwar nicht abhanden gekommen, jedoch ist auch diese meinem übergeordneten Thema des Wachsen-wollens unterworfen. Mein Studium, das ich eben wieder begonnen habe, hat ganz ehrlich gesagt wenig Chancen, jemals abgeschlossen zu werden. Ich betreibe es nicht, um möglichst viel Wissen über irgendwelche längst verstaubten Kulturen anzusammeln, sondern weil mich - noch - die Herangehensweise dieser Disziplin an ihre Thematik im Kern interessiert. Nicht die Techniken, nicht die Methoden. Sondern die Art und Weise, wie man als Archäologe sieht, zu begreifen sucht und beurteilt. Kurz und gut: die Denkweise des Geschichtsforschers. Ich habe mir auch schon wirtschaftliche sowie naturwissenschaftliche Bereiche angesehen und sie so lange ausgekostet, bis ich gemerkt habe, dass ich innerlich nicht mehr daran wachsen kann, sondern dass sie mich einzuengen beginnen. Dann bin ich geflohen.
Vielleicht voreilig. Vielleicht hätte ich ja nur eine gewisse Durststrecke zu überwinden gehabt, um dann neue Wachstumsmöglichkeiten zu finden. Aber dazu hätte es des Ehrgeizes bedurft, und den habe ich nicht mehr. Dazu müsste ich den Dingen höheren Sinn und Wichtigkeit verleihen, und das geht nicht, weil es dem widerspricht, was ich im Zuge meines Lebensumbruches erkannt habe. Denn es geht mir ja nicht um die Thematik oder die Disziplin als solche, sondern um das Erlernen einer anderen Sichtweise. Jede Perspektive hat indes auch ihre Schwachstellen und blinden Flecke, und wenn ich dort angelangt bin, weiß ich, dass ich den Standort wechseln muss, um die Dinge zu sehen, für die mein aktuelles Fachgebiet keine Wahrnehmung hat.
Wie auch immer, das ist es, was mir - ich nenne es jetzt mal wertungsfrei, auch wenn es nicht so klingen mag - einseitige Triebbefriedigung unmöglich macht. Dinge, an denen ich nicht wachsen, von denen ich nichts lernen kann, kann ich nicht begehren. Eine zwischenmenschliche Beziehung muss mir daher mehr bieten, als sich mit Händen fassen lässt. Ich kann soziale Kontakte sehr wohl genießen, aber nur, wenn ich dabei so tief eindringen kann, dass es eventuell weh tut, auch mir selbst. Endosektion zu betreiben, in den Kopf und den Bauch des Anderen hineinzukriechen und ihn bis in die dunkelsten Winkel zu durchleuchten und mich dabei im Spiegel zu betrachten. Das ist es, was mich reizt, wo ich mir gegenseitige Anziehung überhaupt noch vorstellen kann. Die Stimulation der Geschlechtsorgane ist dabei nicht ausgeschlossen, aber nicht die Essenz des Reizvollen.
menschenleer - 17. Jun, 15:03
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