Gedanken

17
Jun
2008

Die Essenz des Reizvollen

Dank einer kleinen Diskussion in Herrn Bandinis Blog habe ich jetzt wieder mal ein bisschen externe Einsicht in mich bekommen. Dass ich prinzipiell eher negativ rüberkomme, war mir nicht neu. Meine Tendenz, alles in Frage zu stellen und dabei mitunter auch in Ironie und Sarkasmus zu verfallen (ist bei obiger Diskussion nicht geschehen, was für meine Verhältnisse aber fast schon einen Ausnahmezustand darstellt), wird von meiner Umwelt generell als ein Zeichen der Oppositionshaltung zu allem und jedem angesehen.

Das stimmt so nicht. Ich will nur alles und jedes möglichst dreidimensional betrachten. Wenn man mir aber etwas wirklich vorwerfen kann und muss, dann den Umstand, dass ich diese meine Intention wohl schlecht kommuniziere. Dass das der Fall ist, zeigt allein der Umstand, dass ich nun schon seit über einer Stunde an diesem Beitrag rumschreibe, mittlerweile bin ich glaube ich bei Version 3.0.

Damit sind wir aber auch schon zu dem Kern eines ganz anderen Problems vorgestoßen, eben jenem, um welches es in der obig genannten Diskussion ging. Dinge, die gemeinhin als erstrebenswert erachtet werden, reizen mich nicht. Warum? Warum betreibe ich keinen Sex um des Sexes Willen? Warum gehe ich nicht gerne einkaufen? Warum lese ich keine Bücher "einfach mal so", sondern nur, wenn dem ganzen ein Thema übergeordnet wird?

Ich denke mal, es begann alles vor 10 Jahren, als ich - aus Gründen, die hier zu weit führten - völlig aus der Bahn geworfen wurde und danach ein neues Leben begann. Damals habe ich den Bezug zu vielen Dingen verloren, die vorher wichtig schienen. De facto habe ich zu fast allen Dingen den Bezug verloren, in dem Sinne, dass ich sie als essentiell oder lebensnotwendig empfände. Ich habe das Klammern verlernt, sowohl das Klammern an Besitz als auch an Beziehungen. Ich habe ohne es wirklich angestrebt zu haben den Ehrgeiz und die Gier verloren. Eingetauscht gegen ein Stück innere Freiheit, die mich gleichzeitig von meiner Umwelt trennte.

Ich will nicht mehr haben. Ich will mich stattdessen bewegen. Das ist mein Antrieb. Mich weiterbewegen, entwickeln, lernen, wachsen.

Damit meine ich nicht praktisches Wissen, das ich anzuhäufen suche, nein, das ist irrelevant. Ich meine seelisches Wachstum, verstehendes Lernen, begreifendes Sehen. Ich will erfassen, und zwar alles, ständig und ohne Unterbrechung. Nicht bewusst, aber wenn ich so in mich hineinschaue, dann muss ich erkennen, dass dies der einzige Antrieb ist, den ich überhaupt noch besitze. Alles andere ist dahin.

Die Fähigkeit, mich irgendwelcher Triebbefriedigung hinzugeben, ist mir zwar nicht abhanden gekommen, jedoch ist auch diese meinem übergeordneten Thema des Wachsen-wollens unterworfen. Mein Studium, das ich eben wieder begonnen habe, hat ganz ehrlich gesagt wenig Chancen, jemals abgeschlossen zu werden. Ich betreibe es nicht, um möglichst viel Wissen über irgendwelche längst verstaubten Kulturen anzusammeln, sondern weil mich - noch - die Herangehensweise dieser Disziplin an ihre Thematik im Kern interessiert. Nicht die Techniken, nicht die Methoden. Sondern die Art und Weise, wie man als Archäologe sieht, zu begreifen sucht und beurteilt. Kurz und gut: die Denkweise des Geschichtsforschers. Ich habe mir auch schon wirtschaftliche sowie naturwissenschaftliche Bereiche angesehen und sie so lange ausgekostet, bis ich gemerkt habe, dass ich innerlich nicht mehr daran wachsen kann, sondern dass sie mich einzuengen beginnen. Dann bin ich geflohen.
Vielleicht voreilig. Vielleicht hätte ich ja nur eine gewisse Durststrecke zu überwinden gehabt, um dann neue Wachstumsmöglichkeiten zu finden. Aber dazu hätte es des Ehrgeizes bedurft, und den habe ich nicht mehr. Dazu müsste ich den Dingen höheren Sinn und Wichtigkeit verleihen, und das geht nicht, weil es dem widerspricht, was ich im Zuge meines Lebensumbruches erkannt habe. Denn es geht mir ja nicht um die Thematik oder die Disziplin als solche, sondern um das Erlernen einer anderen Sichtweise. Jede Perspektive hat indes auch ihre Schwachstellen und blinden Flecke, und wenn ich dort angelangt bin, weiß ich, dass ich den Standort wechseln muss, um die Dinge zu sehen, für die mein aktuelles Fachgebiet keine Wahrnehmung hat.

Wie auch immer, das ist es, was mir - ich nenne es jetzt mal wertungsfrei, auch wenn es nicht so klingen mag - einseitige Triebbefriedigung unmöglich macht. Dinge, an denen ich nicht wachsen, von denen ich nichts lernen kann, kann ich nicht begehren. Eine zwischenmenschliche Beziehung muss mir daher mehr bieten, als sich mit Händen fassen lässt. Ich kann soziale Kontakte sehr wohl genießen, aber nur, wenn ich dabei so tief eindringen kann, dass es eventuell weh tut, auch mir selbst. Endosektion zu betreiben, in den Kopf und den Bauch des Anderen hineinzukriechen und ihn bis in die dunkelsten Winkel zu durchleuchten und mich dabei im Spiegel zu betrachten. Das ist es, was mich reizt, wo ich mir gegenseitige Anziehung überhaupt noch vorstellen kann. Die Stimulation der Geschlechtsorgane ist dabei nicht ausgeschlossen, aber nicht die Essenz des Reizvollen.

19
Mrz
2008

Ein Test

Eine meiner größten Schwächen überhaupt sind Tests. Ich liebe Tests, kann kaum einem widerstehen. Allerdings muss der Test schon einigermaßen seriöse Ergebnisse ausspucken, wie beispielsweise dieser hier, welchen Frau twoblogs verlinkte.
Mein Ergebnis: INFP (Nachdenklicher Idealist)

Inneres: ..NF..: intuitive Wahrnehmung und gefühlsmäßiges Entscheiden

Nach außen: I....P: introvertiert, anpassungsfähig

Sie vermitteln in ihren Beziehungen persönliche Wärme, auch wenn Sie die oft erst zeigen, wenn Sie einen Menschen sehr gut kennen. Immer wenn Sie von einer Sache ganz überzeugt sind, erfüllen Sie die damit verbundenen Aufgaben äußerst zuverlässig. Wenn Sie sich einer Aufgabe verschrieben haben, neigen Sie zum Perfektionismus. Deshalb liegen Ihnen solche Aufgaben, die persönliches Engagement und Anpassungsfähigkeit verlangen.

Sie sehen alles aus einer persönlichen Sicht, denn Maßstab sind für Sie Ihre eigenen Ideale. An Ihren Überzeugungen halten Sie leidenschaftlich fest und lassen sich nur durch Menschen, denen Sie sehr nahe sind beeinflussen. Obwohl Ihre inneren Normen und Ideale für Sie so grundsätzlich sind, finden Sie es schwierig, darüber zu reden.

Andererseits greifen Sie immer wieder neue Ideen auf, verstehen komplizierte Zusammenhänge und brauchen langfristige Ziele. Sie interessieren sich für Bücher und Sprachen und wenn Sie endlich Ihr ureigenstes Thema gefunden haben, können Sie genial und überzeugend sein. Dabei werden Sie nicht laut, sondern tiefgründig und ruhig. Beratung, Unterrichtung, Literatur, Philosophie, Psychologie und Künste liegen Ihnen am meisten.

Über Ihre inneren Empfindungen sprechen Sie nur selten und schützen Ihre Verletzlichkeit mit reservierter Zurückhaltung. Sie haben keine Ambitionen, jemanden zu beeindrucken oder Macht auszuüben und schätzen Menschen, die sich die Zeit nehmen, Ihre Vorstellungen und Ziele zu verstehen. Sie sind bescheiden und neigen dazu, sich selbst zu unterschätzen. Wenn Sie Ihre Ideale nicht umsetzen können, werden Sie leicht übersensibel und verletzlich. Sie verlieren dann Ihren Lebensmut und Ihr Selbstvertrauen.

Wenn es Ihnen nicht mehr reichen sollte, als tiefgründiger Denker in Ruhe gelassen zu werden, dann bemühen Sie sich darum, Ihr analytisches Denken weiterzuentwickeln. Das wird es Ihnen leichter machen zu erkennen, welche Weisheit in dem bekannten Spruch verborgen ist, nach dem der Teufel im (praktischen) Detail steckt.
Sofern sich Frau twoblogs dieses Ergebnis durchliest, wird es ihr vermutlich sehr bekannt vorkommen. ;-)

10
Mrz
2008

Scheinsimulant

Ich werde dafür in die Hölle kommen, dass ich in letzter Zeit so viele unzusammenhängende Beiträge poste, aber dieser hier ist für die Nachwelt einfach unverzichtbar.
Es ist nun einige Wochen her, dass ich aus dem Blauen heraus und ohne direkten Auslöser die schönste Wortkreation meines Lebens geboren habe: Scheinsimulant

Dieses Wort verdient aufgrund seiner ins sich gewundenen und sich sinngemäß in den eigenen Arsch beißenden Bedeutung eigentlich den noch nicht existierenden "M.C. Escher Award".

Leider verriet mir eben ein Blick in die Google-Suche, dass ein geistloser Forumsuser 2003 diese Schönheit lange vor mir in die Welt gesetzt hat, und das nichtmal wissentlich, sondern er hat einfach das Wort "Simulant" gemeint, dessen Bedeutung aber offensichtlich nicht so recht gekannt und zur Sicherheit noch einen "Schein" davorgesetzt.
Weiters findet sich auf einer gänzlich anderen Seite ein Text aus dem Jahr 2005, in welchem das Wort ebenfalls aufscheint. Hier bin ich nun so geistlos, beim groben Überfliegen des Textes nicht erkannt zu haben, ob dem eine ironische Bedeutung oder doch wieder nur ein Versehen innewohnt.

Egal. Wichtig ist doch einzig und allein, wer die Tiefe des Wortes erkennt und herausstreicht. Selten wird bekanntlich der Erfinder einer Neuschöpfung berühmt, sondern derjenige, der sich am effektivsten dafür ausgibt.

Und ergo möchte ich hiermit meinen Claim abstecken und mir zumindest einen Bruchteil vom ideologischen Patent auf den Scheinsimulanten an die Brust heften.
Für ein richtiges Patent fehlt mir nämlich das Geld.

Nachtrag:
Natürlich hat es keine 24 Stunden gedauert, bis mir jemand die Freude an meiner Entdeckung rauben musste. Ich muss allerdings gestehen, dass die Erklärung, die mir der betreffende zukommen ließ, mich noch viel mehr in Ehrfurcht vor dem Wort niedersinken lassen:
"Scheinsimulant ist in der Psychologie sogar ein zwar nicht gerade geläufiger, aber sinnmachender Begriff. Er würde jemanden beschreiben, der sich z.B. medizinisches Laienwissen angelesen hat, über seine eigene Krankheit recht gut Bescheid weiß und den wahren Krankheitsverlauf besonders bei psychischen Erkrankungen so gestaltet und darstellt, daß er fälschlicherweise als Simulant abgestempelt wird."

25
Feb
2008

Die grauen Männer

Die letzte Woche war erstaunlich grau (in meinem Kalender), da voller (mit Bleistift eingetragener) Termine. Ich war also verdammt viel unter Menschen, und das hat mir glaube ich sogar sehr gut getan. Ich will jedoch nicht den Eindruck erwecken, als sei ich weniger zynisch oder misanthrop, daher will ich nicht zu positiv klingen. ;-)

Die Hälfte waren irgendwelche Pflichttermine (Steuerberater, Friseur etc.), zählen also nicht wirklich. Ich war aber auch zum Rigorosum einer Freundin geladen - der letzten aus unserer Weiberrunde, die noch auf den Doktortitel hingearbeitet hatte. Während wir im Anschluss daran ein wenig feierten, musste ich unweigerlich darüber nachdenken, dass ich nun die einzige ohne Studienabschluss war. Während die anderen ihre Ausbildung konsequent durchgezogen hatten, war ich seinerzeit mit einem lauten "Huzzah!!" in die Welt hinausgesprungen, um selbige hautnah kennenzulernen. Die Vortragssäle der Uni waren mir zu steril und zu lebensfern gewesen.

Ich besah mir meine Runde näher und dachte darüber nach, wie sich deren Leben entwickelt hatte. Diejenige, die zuerst mit dem Studium fertiggeworden war, hatte mittlerweile den zweiten Job. Am Patentamt. Die zweite war gerade arbeitslos, hatte aber eine Stelle in Aussicht. Die dritte war gar nicht da, da beruflich in Frankreich unterwegs (und permanent gestresst). Und die vierte war die glückliche Neo-Doktorin, auf die die Arbeitswelt noch wartete.
Bei Nummer 1 macht sich schon eine gewisse Berufsträgheit und Lebensroutine bemerkbar. Genau das hatte mich seinerzeit veranlasst, aus dem Studium zu fliehen. Ich hatte mir die Uniabgänger damals schon angesehen und festgestellt, dass diese nach einiger Zeit immer grauer im Gesicht und in der Seele wurden. Erst 6 bis 8 Jahre bis zum Doktor, dann natürlich in derselben Branche Job gesucht, und spätestens 3 Jahre darauf waren alle ergraut. Davor graute mir wiederum, weshalb ich der Uni Ade gesagt hatte. Stattdessen habe ich mir einen regelrechten Fleckerlteppich an Berufserfahrungen zugelegt, war nicht innerlich vertrocknet, habe nun aber auch nicht wirklich etwas vorzuweisen. Bzw. bin innerlich immer noch auf der Suche nach dem "Eigentlichen". Einer Tätigkeit, die befriedigt.

Ich begann mich zu fragen (und frage mich immer noch), welcher Weg der richtigere sei. Oder besser gesagt, welcher der angenehmere sei, denn "richtig" oder "falsch" ist keiner. Ich denke doch, dass ich gar nicht anders hätte handeln können, als ich es getan habe, gleichzeitig finde ich es schade, dass mir alle Freunde wegvertrocknen. Die innerliche Ergrauung betrifft auch einen männlichen Freund, der vor ca. 2 Jahren seinen Doktor machte und jetzt zusehens verfällt. Früher war er ständig zu Späßen aufgelegt, eine richtige Lachwurzen, so arg, dass es mir teilweise schon auf die Nerven ging, weil man mit ihm kein ernsthaftes Wort wechseln konnte. Jetzt ruft er kaum mehr an, und wenn, dann klingt er von Mal zu Mal depressiver. Nicht bloß deprimiert, nein, richtig depressiv. Er tut, was "man" halt so tut, arbeitet brav, baut sich mit bodenständiger Freundin ein bodenständiges Leben am Land auf - und verhungert dabei seelisch.

Irgendwann, so fürchte ich, werden mir alle Freunde weggetrocknet sein. Dann sitzen sie grau und vergrämt in ihren spaßlosen Leben und warten vielleicht auf die Pension, in der sie ihre Existenz wieder genießen wollen. Ich hatte angenommen, dass dieses Phänomen eins der Vorgängergeneration sei, aber offensichtlich ist dem nicht so. Ich habe mich ausgeklinkt, aber war das wirklich weise? Dann bin ich bald die einzig Lebende unter lauter Mumien. Wäre vielleicht besser gewesen, ich hätte mich auch einbalsamiert... aber wie ich bereits sagte, ich glaube nicht, dass ich es geschafft hätte.

14
Feb
2008

Valentinstag

... ist der einzige Tag, an dem ich mein Singledasein selig begrüße.

Ich hasse Schnittblumen.

7
Feb
2008

Behelfs-Ping

Ich habe derzeit wenig zu sagen, was dadurch gemildert wird, dass andere das an meiner Statt tun.

Da ich zu doof für Pings bin (falls mir irgendjemand die Anwendung erklären möchte, sei er herzlichst eingeladen), hier ein simpler Link:

Trottel

Vielleicht ist es ja dieses Phänomen, das mich vor der Menschheit immer wieder erschauern lässt.

31
Jan
2008

Ansprüche

Ich erhielt auf meinen vorletzten Beitrag einen Kommentar, über den ich ein wenig nachgrübelte (mitunter die letzten 20 Jahre meines Lebens) und jetzt meine Gedanken dazu in Worte zu fassen versuche.
Es geht um meine Ansprüche. Sind die vielleicht zu hoch gesteckt, so die in den Raum geworfene Frage, und kreiere ich mir damit meine Misere selbst? Nach reiflicher Überlegung muss die Antwort leider NEIN lauten.

Beginnen möchte ich mit meiner Erläuterung beim heikelsten Thema, der Liebe. Denn die bereitet mir ja wesentlich mehr Probleme als sonstige Beziehungsformen.

Natürlich kann man Ansprüche herunterschrauben, aber es gibt doch eine absolute Untergrenze, unterhalb derer man sich selbst in den Sack lügen müsste. Und lügen ist, wie ich bereits anmerkte, eins meiner Grundprobleme.
Es gibt ein gewisses Mindestmaß, das man als gerechtfertigten Anspruch bezeichnen kann und unterhalb dessen die Akzeptanz eine gespielte aber keine gefühlte wäre. Das gilt nicht nur für Beziehungen, sondern auch in anderen Bereichen.

Wenn ich meine Humor-Ansprüche herunterschrauben würde, könnte ich über den "Quatsch Comedy Club" lachen.
Wenn ich meine Logik-Ansprüche senken würde, fände ich Dan Browns Bücher gut.
Das GEHT aber nicht, selbst wenn ich es wollte. Selbst wenn ich mich völlig betränke und mir einen Jogginganzug anzöge, wäre der "Quatsch Comedy Club" nicht lustig. Nicht für mich. Dieser Anspruch, den mein Humorverlangen hier stellt, ist nicht zu hoch gesetzt, der ist einfach vorhanden, da fährt die Eisenbahn drüber.

Einen solchen Mindestanspruch muss ein potentieller Partner auch erfüllen, damit man sich in ihn verliebt, darin sind wir uns hoffentlich einig. Wobei keineswegs festgelegt ist, worin dieser Anspruch überhaupt besteht. Man verliebt sich ja aus den unmöglichsten Gründen. Jedenfalls steht das so geschrieben, mir ist es nämlich einfach noch nie passiert. Oder jedenfalls: nicht nachhältig. Ich glaube, ein Monat ist das längste, was ich je zustande gebracht habe, dies aber unter ständigem Einfluss von nicht ganz zulässigen organischen Substanzen. Ansonst kann ich meine Liebesphasen leider nur in Momenten, in Stunden bemessen. Danach passiert irgendwas, meist beginnt das Gegenüber zu reden, und aus ist's mit der Zuneigung.
Ich habe mich ehrlich bemüht, diese flüchtigen Emotionen festzuhalten. Ich bin an Leuten kleben geblieben, in der Hoffnung, dass die Verliebtheit sich wieder einstellen möge. Tatsächlich wurden mir die Personen aber immer lästiger, bis ich vor der Entscheidung stand: Flucht oder Mord. Überspitzt formuliert.

Bei Freundschaften fällt diese meine emotionale Flüchtigkeit nicht so dramatisch ins Gewicht, zum einen, weil man sich da weniger häufig sieht, zum anderen, weil es für eine herkömmliche Freundschaft durchaus reicht, wenn man zumindest ein Interessensgebiet teilt, man muss nicht sein ganzes Herz offenlegen.

Anders sieht es bei Seelenfreundschaften aus. Die sind, wie ich meine, genauso labil wie Liebesbeziehungen, und dementsprechend selten findet man so eine. Ich bin in der glücklichen Lage, seit 18 Jahren eine Seelenfreundin zu haben. Tja, und was soll ich sagen - sie ist Misanthrop!

27
Jan
2008

Wind, Kraut, Blogs

Den heutigen Tag kann ich wieder mal als völlig sinnlos verbuchen. Aufgestanden wie üblich recht früh, dann aber nochmal ins Bett gelegt, weil ja Sonntag ist - fatal! Denn weil kein wirklicher Tag daraus werden wollte, vordringlich deshalb, weil gar kein Sonn drin war, sondern wenn's hochkommt eine blasse Kopie davon, wollte mich auch kein Lichtstrahl wiedererwecken. Ich bin dann zu meiner aller Entsetzen erst kurz vor 15 Uhr ins Leben zurückgekehrt, begrüßt von immer noch sich wiegenden Bäumen vorm Fenster, einem waschküchengrauen Himmel und Luftbewegungen, dass man meinte, der Wettergott hätte untergäriges Sauerkraut gefressen.

Da geschah das fast schon Wunderbare: Ich hatte kurzfristig das Bedürfnis, nach draußen zu gehen! Das Zwielicht in meiner Wohnung, der gefühlte Vormittag, der tatsächlich bereits ein Nachmittag war - kotz! Nichts wie weg!

Aber ich besann mich natürlich eines besseren. Ich stellte mir vor, wie ich mich erstmal mindestens 40 Minuten durch Wettergotts Flatulenzen quälen müsse, um dann in irgendeinem Kaffeehaus zu landen, das mit schachspielenden Pensionisten und genervten Kellnern unterfüllt wäre, weil jeder normal denkende Mensch bei dem Wetter daheim bliebe, und schon war der Geselligkeitstrieb wieder dahin. Man habe mit mir Nachsicht! Es ist immer noch Januar, ich habe noch ganze 11 Monate Zeit. Muss ja nicht gerade während des Wintermonsuns sein.

Ich hätte ohnehin noch eine Menge Arbeit zu erledigen gehabt, also setzte ich mich hin, und beschäftigte mich ein bisschen näher mit dem Phänomen "Bloggen". Ich muss gestehen, ich war bis dato kein wirklich intensiver Konsument dieses Onlineexhibitionismus, ich habe mein eigenes Projekt eher aufgrund von Klischeevorstellungen gestartet. Wer, so dachte ich mir, wird wohl im Internet ein mehr oder weniger intimes Porträt seines Lebens aller Welt zum Fraß vorwerfen, wenn nicht ähnlich gebeutelte und windschiefe (aha! ich hätte heute doch rausgehen sollen!) Existenzen wie ich selbst? Mit dem, was ich hier tue, erwartete ich, Aufguss Nr. 38212052 derselben Idee anzufertigen.
Ich sah mich also in den vergangenen Stunden, während der Sturm draußen die letzte Tageshelligkeit vom Firmament wegblies, die Blogs auf dieser Plattform an. Nicht alle, nur ein zwotausendstel, schätzungsweise. Ich lag wohl nicht gar so schief mit meiner Annahme, wiewohl ich weniger am Leben Zerschellte gefunden habe, als angenommen. Aber vielleicht war die Auswahl auch nicht groß genug. Habe mich einfach mit obig rechtem Link linear weitergeklickt.

Wie auch immer, es sind durchaus ein paar interessante Sachen dabei, da wächst natürlich wieder die Gefahr, dass ich meine kommenden Tage mit Bloglesen anstelle von unter die Menschen gehen verbringe. Vade retro, Versuchung! (ja, mein Latein ist etwas brüchig)
Wie üblich, konnte ich auch zu einigen Themen meinen Mund nicht halten. Ich bin ja wie gesagt ein durchaus geselliges und vor allem nicht maulfaules Kerlchen, ein typischer Wiener halt, der gerne ungefragt seinen Senf dazu gibt. Ich hoffe, das ist hier nicht verpönt. Was weiß ich denn von Blogiquette?

Ach ja, ehe ich vergesse, darauf hinzuweisen: Ich schreibe von mir selbst prinzipiell in der männlichen Form. Ich habe irgendwann mal einen Optionsschein auf 1 Million "-in"s und "innen" erworben, deshalb darf ich mir die jetzt beim Tippen ersparen.

26
Jan
2008

Die vierte Dimension

Noch ein Hinweis bezüglich der zeitlichen Realität dieser Beiträge:
Die Idee zu dem Blog hat sich Anfang Januar entwickelt, ist dann wieder in der Versenkung verschwunden und steht jetzt, Ende Januar, vor der Umsetzung. Das Blog habe ich erst gestern eingerichtet und heute eröffnet. Das bedeutet, dass ich einige Gespräche mit Paul bzw. Gedanken, die ich mir in den letzten Wochen so gemacht habe, rückdatiert habe, damit alles schön verteilt ist. Unterm Strich ist das gar nicht mal unehrlich, da ich mir in den letzten Wochen ja durchaus so nebenher den Kopf über meine Situation zerbrochen habe, bloß habe ich es da noch nicht schriftlich festgehalten.

5
Jan
2008

Anders

Wie ich bereits eingestanden hatte, es gibt viele Menschen, und ich bin nur einer von ihnen, die sich für andersartig im Vergleich zur sie umgebenden Gesellschaft halten. Vermutlich bin ich zu 99% absoluter Durchschnitt, ich weiß aber zumindest eine Eigenschaft, die ich mit wenigen Leuten teile, da die sich die Mehrheit dessen, was sie so betreibt gar nicht bewusst ist.

Mein Problem ist das Lügen.

Ich kann nur mit äußerster Mühe lügen, manchmal sogar mit physischen Auswirkungen. Und ehe jemand annimmt, ich wolle mich hier zur Halbheiligen hochstilisieren: Es geht gar nicht so sehr um das Belügen anderer Menschen. Das fällt mir schwer genug, obwohl ich es natürlich tue. Vor allen Dingen dann, wenn ich der Ansicht bin, dass es einer Person schaden oder weh tun könnte, würde ich ihr die volle Wahrheit sagen. Notlügen beherrsche ich insofern, dass ich mal ein Wehwehchen vorschütze, obwohl ich vielleicht einfach faul bin (vor allen Dingen, wenn es um Verabredungen geht!). Aber jemandem glatt ins Gesicht lügen, das fällt mir bereits überaus schwer bzw. ist unmöglich. Man kann sich in solchen Situationen dadurch hinweghelfen, dass man die Wahrheit umschreibt. Ich empfehle diesbezüglich Grillparzers Stück "Weh dem der lügt". Nach dem Motto funktioniert im übrigen auch das Schreiben dieses Blogs, da ich hier nicht mein gesamtes Leben ausbreite.

Das ist es aber gar nicht, was ich meinte. Ich sprach in erster Linie von der Selbstlüge. Die beherrsche ich nämlich überhaupt nicht, und ich glaube, das reicht schon bis in meine Kindheit zurück.
Unter Selbstlüge verstehe ich die Fähigkeit, sich Dinge schön oder nicht so schlimm zu reden, und das ist de facto eine Fähigkeit, die die meisten Menschen brauchen, um nicht in Depressionen zu verfallen. Man kann sich ausrechnen, wie die Rechnung in meinem Fall ausgeht.

Ich kann mir Lebenslagen nicht als 'nicht so schlimm' einreden, wenn ich sie als entsetzlich empfinde, was mich notgedrungen zu dem macht, was die Gesellschaft als Pessimisten bezeichnet. Ich sehe mich eher als Realisten, denn ich sehe absolut nicht alles negativ. Nur die Dinge, von denen die Erfahrung, Logik oder auch die Vorahnung lehrt, dass sie vermutlich nicht gut gehen werden. Wobei ich dann aber auch nicht in Heulen und Wehklagen ausbreche, sondern mich lediglich innerlich auf einen Misserfolg einstelle. Es ist nicht so, dass ich von Vorhaben ablasse, nur weil ich mit einem Scheitern rechne. Wenn ich etwas wirklich machen will, dann tue ich es, selbst wenn ich davon ausgehe, dass es nicht klappen wird.
Ebensowenig kann ich Menschen mit verklärendem Blick betrachten. Ich würde nicht alle pauschal als hässlich bezeichnen, aber sie haben alle ihre gewissen Makel - und das ist GUT so, denn ich finde nichts langweiliger als Modelgesichter! Aber es ist ein Unterschied, ob ich jemanden als schön empfinde, obwohl bzw. sogar weil er zB eine schiefe Nase hat, oder ob ich diese schiefe Nase gar nicht wahrnehme.

Warum letzteres überhaupt ein Problem ist? Nun ja, ich sehe die Mängel nicht nur bei anderen, sondern auch bei mir. Körperlich wie charakterlich. Ich kenne meine Schwächen und Fehler zu einem Gutteil, und wo ich mich bei den körperlichen damit anzufreunden suche, achte ich so gut es mir beschieden ist, die charakterlichen nicht außer Rand und Band geraten zu lassen. Zynismus ist so eine Schwäche, die läuft mir immer wieder mal aus den Zügeln.
Wenn ich jetzt auf einen anderen Menschen treffe, dann sehe ich auch dessen Fehler, und ich kann sie als absolut sympathisch empfinden, denn wie gesagt, ich mag keine Makellosigkeit. Aber: was, wenn der betreffende Mensch seine eigenen Fehler eben NICHT erkennt? Die Erfahrung lehrt, dass genau dies meistens der Fall ist. Dann hält sich der- oder diejenige für makelloser, als ich ihn oder sie sehe. Und genau hier spießt es sich. Ich weiß über meine Schwächen Bescheid, die andere Person aber nicht über ihre. Irgendwann kommt es unweigerlich zu einem Disput, und dann wirft einem der andere vielleicht eine Schwäche vor, die ihm an mir aufgefallen ist. Und das obgleich er x eigene Schwächen hat, dies aber nichtmal merkt.

Ich beneide diejenigen, für die das kein Problem darstellt, will aber gleichzeitig nicht mit ihnen tauschen. Die Selbstlüge kann einem durchs Leben helfen, sie kann aber auch eine fürchterliche Falle sein. Wie viele haben sich aufgrund falscher Selbsteinschätzung schon in einer Lebenssackgasse verrannt, aus der sie nie wieder oder nur mit extremer Mühe wieder rausgefunden haben?
Ach ja: Ich mag auch keine Rauschzustände. Die sind eigentlich auch nichts anderes als Lügen in anderem Kleid. Man enthält sich die Realität vor.

Schon komisch, dass ich so oft an dieser Realität leide und doch keine Sekunde davon verpassen will.
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ein Baum allein im Wald...

Worum es geht

Dokumentierter Versuch, mich als Misanthrop zu resozialisieren und in meiner direkten Umgebung Menschen kennenzulernen, die mich nicht nach fünf Minuten langweilen. Ach ja, Zyniker bin ich auch noch, und da ich in Wien lebe, ist mein Projekt ohnehin zum Scheitern verurteilt.
Ich bin übrigens weiblich, verzichte aber aus Bequemlichkeit auf die feminine Form. Hier geht's zur Selbstdarstellung.

Erreichbar unter

menschenleer [@] gmx [.] net

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